Archive for März, 2007

Spieltag 26 - Der lange Weg nach Hollywood

Montag, März 19th, 2007

Herzlich Willkommen zur Spieltagsrevue auf pokalo.de! Heute: Runde 26.

Beginnen möchten wir mit unserer Zusammenfassung jedoch erst in der 60.Minute, denn bis zu diesem Zeitpunkt fielen in den neun Partien des Wochenendes ja auch nur drei Tore. Bedenkt man, dass zudem insgesamt nur 12 Treffer zu bestaunen waren, möchte man sich als Redaktion unseres kleinen Fußballmagazins beinahe dieser Arbeitsverweigerung anschließen. Doch wir halten es ganz wie die Herren Profis und machen auf der Zielgeraden noch ein bisschen Alarm: Wie Mladen Kristajic, der mit seinem Stochertor in der 76.Minute als Einziger in der Lage war, den sonst sehr guten Timo Hildebrand im Stuttgarter Kasten zu überwinden, und der damit den Schalkern das Tor zur Meisterschaft ein gutes Stück weiter öffnete. Oder wie Christoph Preuß, der mit seinem Kunstschuss in der 78.Minute eine ganz müde Bayern-Mannschaft besiegte und der Frankfurter Eintracht das kaum noch bekannte Gefühl eines Heimsieges bescherte. Oder auch wie Jan Schlaudraff, der innerhalb der letzten 20 Minuten gegen Bielefeld zunächst zum 1:0 traf, um kurz darauf den Elfmeter herauszuholen, den Reghecampf zum 2:0-Endstand nutzte und der Alemannia aus Aachen drei lebenswichtige Punkte gegen den Abstieg sicherte. Ansonsten war das Niveau – wie schon in der letzten Woche (siehe Spieltag 25: Clownsligen gibt’s woanders) – an diesem 26.Bundesligaspieltag doch außerordentlich dürftig. Das ist zwar schade, aber nach dem dreifachen Einzug in europäische Viertelfinals innerhalb der letzten 14 Tage zumindest verzeihlich. Ansonsten gibt sich die Liga im Moment eher wie ein B-Splattermovie, welcher ohne Kinostart direkt in die Regale der Videotheken wandert: Sie lebt von der Spannung. Kunst und Spielkultur sollte man nicht erwarten. Vielleicht ist die kleine Erholungsphase nun ja ein erster Schritt zur Besserung: Nach der Länderspielpause dürfen wir ab dem 30.März hoffentlich wieder etwas mehr Spektakel erwarten, wenigstens ein kleines bisschen Hollywood. Es muss ja nicht gleich europäisches Kunstkino sein – aber mehr als 12 Tore sollten dann schon drin sein!

Wörns der Woche - 26. Spieltag: Sebastian Svärd (Borussia Mönchengladbach)

Montag, März 19th, 2007

Natürlich war es keine katastrophale Fehlleistung im üblichen Sinne, die den zur Halbzeit eingewechselten Sebastian Svärd an diesem 26. Spieltag in den Olymp des „Wörns der Woche“ hievte, denn 45 Minuten lang bot der 24jährige Däne eine solide Leistung. Aber dann fälschte er in seinem vierten Bundesligaspiel einen Schuss von Andrey Voronin in der 91.Minute unhaltbar ins eigene Tor ab und brachte die Borussia damit um einen verdienten Punkt in Leverkusen – 0:1. Das ist natürlich vor allen Dingen Pech und nicht Unvermögen, und dennoch steht es symbolisch für den wohl kaum noch abzuwendenden Abstieg des Traditionsvereins aus Mönchengladbach. Denn so wie der Tenor am Wochenende an der Tabellenspitze lautete – wenn man Spiele wie das der Schalker gegen Stuttgart gewinnt, wird man Meister – ist er auch auf den Ligakeller zu übertragen: Wenn du Spiele wie jenes in der BayArena verlierst, dann steigst du ab. Das wird vor allem Sebastian Svärd schmerzlich bewusst geworden sein, dem Unglücksraben und „Wörns der Woche“.

Spieltag 26

Montag, März 19th, 2007

Die Spieltagsnachlese folgt in wenigen Minuten…

Spieltag 25- Clownsligen gibt´s woanders

Montag, März 12th, 2007

Alan Durban, Ex-Stoke-City-Coach, reagierte einst auf harsche mediale Kritik an der destruktiven, unspektakulären Spielweise seiner Mannschaft mit den legendären Worten: „ Wenn ihr Unterhaltung wollt, geht in den Zirkus und guckt euch Clowns an.“ Gleiches hätte an Spieltag 25 auch von Armin Veh, Mirko Slomka oder Jürgen Röber kommen können. Glänzte Spieltag 24 noch mit Spaßfußball, Direktspiel und einer wahren Torflut, machten die 18 Klubs an diesem Wochenende doch eher durch behäbiges, ungenaues und umständliches Herumgestolper von sich reden. Blasse Unentschieden, trostlose Nullnummern und glanzlose Siege standen symptomatisch für Runde 25 der Meistersachafts-Abstiegs-Kämpfe. Und so bemerkte auch Halil Altintop:“ So viele Fehlpässe wie heute habe ich lange nicht mehr gesehen.“ Innerhalb eines Spieltages wandelte sich die Liga einmal mehr vom Epizentrum bundesweiten Ballspektakels zur groß gehypten, fußball-versprechenden Mogelpackung. Die einzig zuverlässige Konstante der Bundesliga scheint Inkonstanz: Schalke dominiert die Liga über Monate, zog bis auf zwölf Punkte davon, um auf der Schlussgeraden einzuknicken. Bayern München war längst abgeschrieben, wähnte sich fast von Nürnberg eingeholt, ehe sie zum Gegenschlag ausholten, um sich im Endspurt aussichtsreich zu positionieren. Bielefeld spielte sich vor der Winterpause in UEFA-Cup-Regionen, um sich jetzt nach nicht enden wollender Talfahrt auf Abstiegsplatz 17 wiederzufinden.

Und so passt die Zusammenfassung von Spieltag 25 in die wechselhaften Saisonleistungen der Vereine: Anstelle des fußballerrischen Feuerwerks der vorangegangenen Woche, überboten sich die Klubs dieses Mal in statisch-draufholzender Fußballdiletanz. Als hätten die Spieler jene Studien bestätigen wollen, die der Bundesliga gegenüber den Topligen mehr Ballkontakte pro Spielzug und eine höhere Fehlpassquote nachsagen. Dortmund etwa ließ keinen Zweifel daran, dass ihnen jegliche Kunstfertigkeit im Umgang mit dem Ball irgendwo zwischen Nevio Scala und Jürgen Röber abhanden gekommen ist. Mit einer Abwehr, die ihres Namens nicht würdig war; einem Mittelfeld, dessen Taktik scheinbar abgefälschte anstatt Direktpässe vorsah und einem Sturm, dessen Harmlosigkeit sogar Namen wie Tanko oder Booth in den Schatten stellt, schaffte die Borussia ihre sechste Niederlage im achten Rückrundenspiel. Dazu Roman Weidenfeller: „Wir müssen schauen, dass wir die Sache vielleicht jetzt anpacken.“ Richtig: Wenn sich eine Mannschaft einen Punkt vor Liga 2 befindet, sollte sie vielleicht schauen, dass sie die Sache anpackt. Aber vorher sollte noch mal darüber gesprochen werden. Denn eventuell macht es ja auch Sinn, erst anzupacken, wenn man richtig tief drin steckt im Abstiegskampf. Schließlich hat die andere Borussia aus Mönchengladbach nicht viel länger gewartet. Aber nach dem 3:1 gegen strauchelnde Berliner besteht auch wieder bei den totgesagten Gladbachern ein dezentes Fünkchen Hoffnung.

Weniger desolat als in den anderen Spielen ging es München zu. Mit Torchancen für die nächsten drei Spiele zusammen wirbelte Bayern die Bremer an die Wand. Doch Bremens über Frings vorgetragener Konter saß: Endstand 1:1. In Spanien endete das Spitzenspiel zwischen Barcelona und Madrid mit 3:3. Clownsligen gibt´s eben woanders – zumindest, was diesen Spieltag angeht.  

Autor: Daniel Wehner

Spieltag 24 - Leergefegtes Niemandsland

Montag, März 12th, 2007

Bereits zehn Spieltage vor Saisonfrist kommt es im Kampf um Meisterschaft, UEFA-Cup und Klassenerhalt zum offenen Schlagabtausch. Kein Taktieren, Ergebnishalten und schon gar kein Minimalismus. Am 24. Spieltag endete keine Partie mit einer Punkteteilung. Im dichten Tabellengewirr spielten sämtliche 18 Bundesligaklubs auf Sieg – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Denn die eigene Tabellenposition durch Unentschieden zu festigen, ging in der Vergangenheit selten gut, nach Einführung der Drei-Punkte-Regel noch seltener, und in dieser Saison ist es nahezu vollends vergeblich. Zwischen Platz 9 und Platz 16 liegen zwei Punkte, womit sogar Dortmund akut abstiegsbedroht ist. Um Platz fünf duellieren sich Nürnberg, Berlin, Leverkusen und Hannover. Und an der Spitze ist mit dem Wiedereinstieg der Bayern ins Meisterschaftsrennen ein spannungsgeladener Vierkampf entstanden, der gleich kommende Woche mit seinem vorläufigen Höhepunkt aufwartet (Bayern München – Werder Bremen). Ergo kann sich keiner der 18 Bundesligisten einen Punktverlust leisten, nicht einmal das viel zitierte Niemandsland der Liga. Denn die Grauzone im Mittelfeld der Tabelle, in der weder nach unten noch nach oben Positionsverschiebungen realistisch scheinen, und die Vorbereitung auf die nächste Spielzeit Priorität besitzt, ist dieses Jahr nicht existent. So steht für jeden einzelnen Klub im Oberhaus der deutschen Fußballliga viel auf dem Spiel. Schalke 04 etwa schwächelt mit nunmehr drei Spielen ohne Sieg und läuft Gefahr, die erste Meisterschaft seit 1958 zu verspielen. Der HSV dagegen hat sich mit vier Siegen in Folge aus der Krise gespielt, verbucht er doch mit 14 Rückrundenzählern bereits einen mehr als in der gesamten Hinrunde. Auch der FC Bayern scheint sich gefangen zu haben. Angesichts der schnöden Perspektive, künftig im „Cup der Verlierer“ gegen Malmö FF oder den SV Mattersburg zu spielen, könnte einer der Gründe für den neuen Elan im Bayern-Spiel sein. Ein weitaus greifbareres Argument: Lukas Podolski. Mit drei Scorer Punkten (zwei Vorlagen und ein Tor) avancierte er zum Matchwinner. Dabei führt er seine wiedergewonnene Form aus Zeiten des Sommermärchens auf das Vertrauen von Ottmar Hitzfeld zurück: „Nach dem ersten Spiel habe ich dem Trainer gesagt, dass ich ein paar Spiele brauche. Ich denke, dass ich ihm das Vertrauen zurückgezahlt habe.“
Im Zuge der Zufriedenheit darüber, im Olympiastadion nicht noch in den Schlussminuten den Ausgleich gefangen zu haben, wagte Hasan Salihamidzic im bekannten Bayern-Terminus noch gleich eine Kampfansage: „Ich habe es immer gesagt. Auch als Schalke schon 12 Punkte weg war. Mit uns ist immer noch zu rechnen.“ Und wie man die Bayern der vergangenen Jahre kennt, könnte er da Recht haben – vorausgesetzt die Münchener bestätigen gegen Madrid und Bremen ihre ansteigende Form durch Zählbares

Autor:Daniel Wehner