Spieltag 24 - Leergefegtes Niemandsland
Bereits zehn Spieltage vor Saisonfrist kommt es im Kampf um Meisterschaft, UEFA-Cup und Klassenerhalt zum offenen Schlagabtausch. Kein Taktieren, Ergebnishalten und schon gar kein Minimalismus. Am 24. Spieltag endete keine Partie mit einer Punkteteilung. Im dichten Tabellengewirr spielten sämtliche 18 Bundesligaklubs auf Sieg – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Denn die eigene Tabellenposition durch Unentschieden zu festigen, ging in der Vergangenheit selten gut, nach Einführung der Drei-Punkte-Regel noch seltener, und in dieser Saison ist es nahezu vollends vergeblich. Zwischen Platz 9 und Platz 16 liegen zwei Punkte, womit sogar Dortmund akut abstiegsbedroht ist. Um Platz fünf duellieren sich Nürnberg, Berlin, Leverkusen und Hannover. Und an der Spitze ist mit dem Wiedereinstieg der Bayern ins Meisterschaftsrennen ein spannungsgeladener Vierkampf entstanden, der gleich kommende Woche mit seinem vorläufigen Höhepunkt aufwartet (Bayern München – Werder Bremen). Ergo kann sich keiner der 18 Bundesligisten einen Punktverlust leisten, nicht einmal das viel zitierte Niemandsland der Liga. Denn die Grauzone im Mittelfeld der Tabelle, in der weder nach unten noch nach oben Positionsverschiebungen realistisch scheinen, und die Vorbereitung auf die nächste Spielzeit Priorität besitzt, ist dieses Jahr nicht existent. So steht für jeden einzelnen Klub im Oberhaus der deutschen Fußballliga viel auf dem Spiel. Schalke 04 etwa schwächelt mit nunmehr drei Spielen ohne Sieg und läuft Gefahr, die erste Meisterschaft seit 1958 zu verspielen. Der HSV dagegen hat sich mit vier Siegen in Folge aus der Krise gespielt, verbucht er doch mit 14 Rückrundenzählern bereits einen mehr als in der gesamten Hinrunde. Auch der FC Bayern scheint sich gefangen zu haben. Angesichts der schnöden Perspektive, künftig im „Cup der Verlierer“ gegen Malmö FF oder den SV Mattersburg zu spielen, könnte einer der Gründe für den neuen Elan im Bayern-Spiel sein. Ein weitaus greifbareres Argument: Lukas Podolski. Mit drei Scorer Punkten (zwei Vorlagen und ein Tor) avancierte er zum Matchwinner. Dabei führt er seine wiedergewonnene Form aus Zeiten des Sommermärchens auf das Vertrauen von Ottmar Hitzfeld zurück: „Nach dem ersten Spiel habe ich dem Trainer gesagt, dass ich ein paar Spiele brauche. Ich denke, dass ich ihm das Vertrauen zurückgezahlt habe.“
Im Zuge der Zufriedenheit darüber, im Olympiastadion nicht noch in den Schlussminuten den Ausgleich gefangen zu haben, wagte Hasan Salihamidzic im bekannten Bayern-Terminus noch gleich eine Kampfansage: „Ich habe es immer gesagt. Auch als Schalke schon 12 Punkte weg war. Mit uns ist immer noch zu rechnen.“ Und wie man die Bayern der vergangenen Jahre kennt, könnte er da Recht haben – vorausgesetzt die Münchener bestätigen gegen Madrid und Bremen ihre ansteigende Form durch Zählbares
Autor:Daniel Wehner