Archive for August, 2007

In Teufels Küche der Technik

Dienstag, August 28th, 2007

Liebe Leute!
Aufgrund technischer Probleme sind die aktuellen Rubriken “Spieltag” und “Wörns der Woche” vorübergehend nur hier im Blog nachzulesen. Wir bemühen uns um eine schnellstmögliche Behebung der Schwierigkeiten und bitten um euer Verständnis. Danke, sagt eure pokalo.de-Redaktion.

3.Spieltag: Bitte nicht so feste treten…

Dienstag, August 28th, 2007

Der FC Bayern verzaubert die Liga, die Liga berauscht sich am FC Bayern. Lange hat es keinen derart souveränen Saisonstart gegeben wie ihn das zusammengekaufte Starensemble aus München hingelegt hat. Die Fachwelt staunt, die Fans wundern sich – dass eine komplett neue Mannschaft innerhalb kürzester Zeit beinahe perfekt harmoniert, hatten sie alle nicht erwartet. Es passt einfach alles, denn Ribery ist ein Ereignis, Toni trifft zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk (aus Italien…), Klose wirkte bis zu Naldos Grätsche wie der Alte, Altintop ist eine einzige positive Überraschung, selbst der in Frage gestellte Bastian Schweinsteiger blüht auf wie in seligen Confed-Cup-Zeiten. Und ganz nebenbei herrscht vor dem Tor von Oliver Kahn derzeit ein Betrieb, der seinem biblischen Fußballer-Alter absolut angemessen ist.
Also alles eitel Sonnenschein? Mitnichten. Dass Uli Hoeneß ein Choleriker vor dem Stoiber ist, ist seit jeher kein Geheimnis. Doch jetzt verblüfft er selbst die ihm Wohlgesonnenen. Seine Befürchtungen, die er bereits im Ligapokal geäußert hatte, hätten sich bewahrheitet, so der Bayern-Manager. Spielerisch unterlegene Mannschaften wüssten sich der Übermacht der bajuwarischen Genies nur mit rüder Härte zu erwehren. Das mag für den neutralen Fußballfan keine sonderlich eindrucksvolle Erkenntnis sein, diese Taktik gibt es schließlich schon seit Jahr und Tag, und es gibt die eine oder andere Liga in Europa, wo diese Unsitte noch weitaus unverblümter ausgelebt wird. Doch ob seiner neuen Schätze entwickelt der Bayern-Lautsprecher ein fürsorgliches Verhalten, das seinem eigenen Augapfel gerecht werden würde. Das ist insofern verständlich, da er in Toni, Ribery & Co. ungefähr den Gegenwert einiger Smaragddiamanten investiert hat. Allerdings ist der allgemeine Ansatz der Diskussion auch ebenso weltfremd.
„Es müssten mal sechs, sieben Spieler vom Platz fliegen“, so sein amüsanter Vorschlag. Natürlich soll diese spezielle Schutzmaßnahme aber nur zu Gunsten der Bayern-Profis greifen, insbesondere jener, die das Prädikat „Besonders wertvoll“ tragen. Treten sich also – beispielsweise – fußballerisch etwas limitiertere Mannschaften wie jene von Energie Cottbus oder Hansa Rostock die Knochen gegenseitig kaputt, so sind andere Maßstäbe anzulegen. Das wäre dann der Umkehrschluss. Denn eigentlich sind in der Bundesliga alle gleich, nur die Bayern, die sind gleicher.
Besonders peinlich mutete der kollektive Ausraster der Bayern-Bank beim Foul von Hannovers Lala an Ribery nach 32 Minuten an. „Dunkelgelb“ (Schiedsrichter Kinhöfer) war die Folge. Bis zum Platzverweis dauerte es dann auch nicht mehr lange. Hitzfeld, Henke und Hoeneß (bis Rummenigge wieder Gift und Gülle, äh, Galle speit, wird es auch nicht mehr lange dauern) sollten dennoch nicht vergessen, dass Unterschiede hoffentlich nur dann gemacht werden, wenn man Robert Hoyzer wieder an die Pfeife lässt. Dass Spieler bevorzugt werden, weil sie mehr kosten und noch viel mehr verdienen als ihre Gegenspieler, ist so unglaublich hanebüchen, dass es einem erst so richtig deutlich wird, wenn man es niederschreibt und dann liest. Die fußballerischen Bereicherungen, die der FCB sich und der Liga in dieser Saison geschenkt hat, in allen Ehren.
Die Bayern werden mit großer Wahrscheinlichkeit den Titel holen, auch wenn eine solche Prognose nach drei Spieltagen reichlich dilettantisch daherkommt. Sie werden dies wahrscheinlich auch mit entsprechender Eleganz und Spielkultur bewerkstelligen, vielleicht sogar mit einem außerirdisch guten Torverhältnis. Bleibt nur zur hoffen, dass die öffentlichen Holzhammer-Äußerungen ihrer Verantwortlichen im Laufe der Spielzeit wieder ein ähnlich hohes Niveau erreichen.

Wörns der Woche - 3.Spieltag: Maik Franz (Karlsruher SC)

Montag, August 27th, 2007

Natürlich hätten sie ihn alle verdient, die gesamte Mannschaft des Karlsruher SC, die in der BayArena gegen Leverkusen so eine desolate Leistung ablieferte und mit dem 0:3 noch bestens bedient war. Außer seines sensationellen Rückhalts, Torwart Miller, ließ der Aufsteiger die Bundesligatauglichkeit in allen Mannschaftsteilen vermissen. Maik Franz, neben Eggimann die andere Hälfte einer peinlich indisponierten Innenverteidigung, erhält letztendlich den Zuschlag: Er spielte mindestens so schlecht wie die Schlechtesten unter seinen Mitspielern, und er krönte seine Leistung bereits nach 19 Minuten mit einem Kopfball-Eigentor zum 0:1. Und weil der 25jährige dieses Tor nach dem Spiel auch noch selbstironisch mit „Einer der wenigen Zweikämpfe, die ich gewonnen habe“ kommentierte, ist Maik Franz ein uneingeschränkt würdiger Träger des Titels „Wörns der Woche“.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Montag, August 20th, 2007

Deutschland ist auf einem guten Weg zur Europameisterschaft 2008. Streckenweise begeisternden Fußball präsentierte das einstige „Sorgenkind Nationalmannschaft“ im bisherigen Verlauf der Qualifikation. Ein unbelehrbarer Pessimist, wer noch an einer Teilnahme in Österreich und der Schweiz zweifelt. Doch in guten Zeiten vernebelt sich der Blick gerne, verschließen sich die Augen vor der Realität. Joachim Löw hat seit der Übernahme des Bundestrainer-Postens von Jürgen Klinsmann offensichtlich alles richtig gemacht. Er verfügt über sensationelles Fachwissen, trifft grundsätzlich die richtigen – und vor allen Dingen: faire – personelle Entscheidungen, und zudem ist er insgesamt ein smarter Repräsentant der Mannschaft, des DFB, der Nation. Und doch gibt es da eine Sache, die verwundert: Es war kurz nach der Übernahme des Trainergespanns Klinsmann / Löw im Spätsommer 2004, als Oliver Kahn völlig zu Recht seiner nicht hinterfragten Alleinherrschaft im deutschen Tor „beraubt“ wurde. Es solle fortan einen fairen Wettbewerb um den Posten der „Nummer Eins“ im deutschen Tor geben, und überhaupt, wer könne denn knapp zwei Jahre vor einem Turnier wissen, ob der derzeitige Stammkeeper nicht irgendwann einen Leistungseinbruch erleiden würde. Das medial aufgebauschte Peinlichkeitsduell Kahn / Lehmann in den Jahren 2004-06 hat kein Fußballfan vergessen. Die Grundidee dahinter blieb dennoch völlig nachvollziehbar. Umso schaler wurde der Beigeschmack, als Joachim Löw kurz nach der WM verkündete, Jens Lehmann bleibe bis zur EM 2008 die unumstrittene Nummer Eins. Alles applaudierte, Lehmanns Spickzettel und seine Elfmeter-Heldentaten gegen Argentinien noch in ganz frischer Erinnerung. Kahn war’s egal, er hatte die deutschen Handschuhe nach seinem (Abschieds-)Spiel um Platz 3 bereits hingeschmissen. Robert Enke wird sich allerdings gewundert haben, was aber auch in der Folgezeit an seiner beeindruckenden Konstanz nichts ändern sollte. Und Timo Hildebrand schien dadurch gleich derart motiviert zu werden, dem VfB Stuttgart die Meisterschaft festzuhalten, um das Land anschließend gen schönes Valencia zu verlassen.
Jens Lehmann patzte am ersten Spieltag der gerade gestarteten EM-Saison in der Premier League gegen den FC Fulham bereits nach 52 Sekunden. Sein Team rettete ihn allerdings und drehte das Match noch – 2:1. Am Sonntag nun, nur eine Woche später, führten die Gunners durch Robin van Persie lange Zeit mit 1:0 bei den Blackburn Rovers. Bis Lehmann in der 71. Minute einen 25-Meter-Schuss von David Dunn durch die Arme rutschten ließ und zwei Punkte verschenkt waren. Was Lehmann nun innerhalb von sieben Tagen passierte, leistete sich Kahn bis zur WM 2006 innerhalb von zwei Jahren. Mit dem Unterschied, dass der polarisierende Bayern-Keeper damals unter Brennglasbeobachtung und verschärftestem Konkurrenzdruck stand. Den gegenteiligen Umständen, unter denen der alternde Lehmann momentan agiert, agieren darf. Eine Veränderung der aktuellen Situation, was gleichberechtigte Chancen im deutschen Tor angeht, könnte zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich tatsächlich kontraproduktiv sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass man Löw im Juli 2008 nicht nachträglich vorwerfen muss, schon in seiner ersten Amtshandlung wichtige Grundsätze über Bord geworfen zu haben. Denn Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft.
Autor: Tim Sohr