3.Spieltag: Bitte nicht so feste treten…
Der FC Bayern verzaubert die Liga, die Liga berauscht sich am FC Bayern. Lange hat es keinen derart souveränen Saisonstart gegeben wie ihn das zusammengekaufte Starensemble aus München hingelegt hat. Die Fachwelt staunt, die Fans wundern sich – dass eine komplett neue Mannschaft innerhalb kürzester Zeit beinahe perfekt harmoniert, hatten sie alle nicht erwartet. Es passt einfach alles, denn Ribery ist ein Ereignis, Toni trifft zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk (aus Italien…), Klose wirkte bis zu Naldos Grätsche wie der Alte, Altintop ist eine einzige positive Überraschung, selbst der in Frage gestellte Bastian Schweinsteiger blüht auf wie in seligen Confed-Cup-Zeiten. Und ganz nebenbei herrscht vor dem Tor von Oliver Kahn derzeit ein Betrieb, der seinem biblischen Fußballer-Alter absolut angemessen ist.
Also alles eitel Sonnenschein? Mitnichten. Dass Uli Hoeneß ein Choleriker vor dem Stoiber ist, ist seit jeher kein Geheimnis. Doch jetzt verblüfft er selbst die ihm Wohlgesonnenen. Seine Befürchtungen, die er bereits im Ligapokal geäußert hatte, hätten sich bewahrheitet, so der Bayern-Manager. Spielerisch unterlegene Mannschaften wüssten sich der Übermacht der bajuwarischen Genies nur mit rüder Härte zu erwehren. Das mag für den neutralen Fußballfan keine sonderlich eindrucksvolle Erkenntnis sein, diese Taktik gibt es schließlich schon seit Jahr und Tag, und es gibt die eine oder andere Liga in Europa, wo diese Unsitte noch weitaus unverblümter ausgelebt wird. Doch ob seiner neuen Schätze entwickelt der Bayern-Lautsprecher ein fürsorgliches Verhalten, das seinem eigenen Augapfel gerecht werden würde. Das ist insofern verständlich, da er in Toni, Ribery & Co. ungefähr den Gegenwert einiger Smaragddiamanten investiert hat. Allerdings ist der allgemeine Ansatz der Diskussion auch ebenso weltfremd.
„Es müssten mal sechs, sieben Spieler vom Platz fliegen“, so sein amüsanter Vorschlag. Natürlich soll diese spezielle Schutzmaßnahme aber nur zu Gunsten der Bayern-Profis greifen, insbesondere jener, die das Prädikat „Besonders wertvoll“ tragen. Treten sich also – beispielsweise – fußballerisch etwas limitiertere Mannschaften wie jene von Energie Cottbus oder Hansa Rostock die Knochen gegenseitig kaputt, so sind andere Maßstäbe anzulegen. Das wäre dann der Umkehrschluss. Denn eigentlich sind in der Bundesliga alle gleich, nur die Bayern, die sind gleicher.
Besonders peinlich mutete der kollektive Ausraster der Bayern-Bank beim Foul von Hannovers Lala an Ribery nach 32 Minuten an. „Dunkelgelb“ (Schiedsrichter Kinhöfer) war die Folge. Bis zum Platzverweis dauerte es dann auch nicht mehr lange. Hitzfeld, Henke und Hoeneß (bis Rummenigge wieder Gift und Gülle, äh, Galle speit, wird es auch nicht mehr lange dauern) sollten dennoch nicht vergessen, dass Unterschiede hoffentlich nur dann gemacht werden, wenn man Robert Hoyzer wieder an die Pfeife lässt. Dass Spieler bevorzugt werden, weil sie mehr kosten und noch viel mehr verdienen als ihre Gegenspieler, ist so unglaublich hanebüchen, dass es einem erst so richtig deutlich wird, wenn man es niederschreibt und dann liest. Die fußballerischen Bereicherungen, die der FCB sich und der Liga in dieser Saison geschenkt hat, in allen Ehren.
Die Bayern werden mit großer Wahrscheinlichkeit den Titel holen, auch wenn eine solche Prognose nach drei Spieltagen reichlich dilettantisch daherkommt. Sie werden dies wahrscheinlich auch mit entsprechender Eleganz und Spielkultur bewerkstelligen, vielleicht sogar mit einem außerirdisch guten Torverhältnis. Bleibt nur zur hoffen, dass die öffentlichen Holzhammer-Äußerungen ihrer Verantwortlichen im Laufe der Spielzeit wieder ein ähnlich hohes Niveau erreichen.