Archive for September, 2007

Editorial des Ekels

Donnerstag, September 13th, 2007

Ausnahmen bestätigen die Regel. Und manchmal ist es eben doch so, dass die lautesten Fürze am krassesten stinken. Woche für Woche ist es für Freunde des geistesschlichten Cholerikertums eine helle Freude, das Editorial der SportBild zu lesen. Es gibt nichts, das Chefredakteur Pit Gottschalk nicht “hinterfragt”, “anzweifelt” und “in Frage stellt”. Dabei hält er sich stets an das Credo seines Verlages: Fragen werden mit dem Holzhammer formuliert, aber natürlich nicht, um eine Antwort zu erwarten, es sei denn, man liefert sie gleich selbst mit dazu. Es ist natürlich grenzenlos langweilig, die Methoden der “Bild” und “SportBild” zu kritisieren, rennt man damit doch bei Mitmenschen, die noch alle Tassen im Schrank haben, offene Türen ein. Dass sich in diesen Medien die Buchstaben etwas größer und in überschaubarerer Anzahl als im Durchschnitt präsentieren, ist schließlich kein Geheimnis.
Auch in der Anonymen Alkoholikerrunde des DSF, dem “Doppelpass”, trat Gottschalk schon des öfteren als selbstverliebter Gockel auf und bestätigte mit seinen Einwürfen die lange gehegte Vermutung der Fußball-Deutschen: Er hat einfach nicht den blassesten Schimmer vom Fußball. Ein Schicksal, dass er mit der restlichen sportjournalistischen Redaktion des Axel Springer Verlages teilt. Geschenkt.
Neben der Bild-üblichen Paparazzi-Recherche schaut Gottschalk dem Volk auch immer gerne aufs Maul, er macht Stimmungen (aus) und er schürt sie. Früher bot insbesondere die deutsche Nationalmannschaft ein dankbares Feld für derartige Methoden. Genau hier scheint aber nun Gottschalks Problem zu liegen - was genau macht man, wenn es bei Jogi Löws Truppe so unglaublich rund läuft wie derzeit? Heikel, heikel. Aber gut, man denkt einfach sehnsüchtig zurück an Horrorjahre wie 2000 oder 2004, an Niederlagen wie das 1:5 in Rumänien oder das 1:5 gegen England am 1.September 2001. Und man halluziniert sich sogenannte “Baustellen” herbei, textet sich nicht vorhandene Probleme zurecht, stellt in unterschwelliger Manier abstruse Forderungen und macht einfach schlechte Stimmung gegen Leute, die in ihrem Leben schon jetzt mehr erreicht haben als es Gottschalk je tun wird. Beispiel gefällig? Kein Problem, schließlich hat sich Gottschalk seit gestern auf selbst für ihn fantastische Art und Weise selbst ein Armutszeugnis ausgesprochen. Daher möchten wir diesen Zwischenruf mit einem Auszug aus dem dieswöchigen Editorial von Ekel Pit schließen und zitieren daher mit einem lachenden und einem verständnislosen Auge: “Erstaunlich ist, dass die deutsche “B-Elf” unabhängig von ihrer Besetzung Angst und Schrecken verbreitet. Man muss nur das junge Mittelfeld nehmen: Marcell Jansen (21), Roberto Hilbert (22), Thomas Hitzlsperger (25), Bastian Schweinsteiger (23) spielten in Cardiff stark. Angesichts einer in die Jahre gekommenen Stammbesetzung im Mittelfeld mit Spielern wie Michael Ballack (30), Torsten Frings (30), Bernd Schneider (33) stellt sich zwangsläufig die Frage: Wann vollzieht Löw den kompletten Bruch?”

Himmelschreiende Respektlosigkeit gegenüber einem Mittelfeld im besten Fußballer-Alter, das in Europa seinesgleichen sucht und auch noch bei der EM 2008 im Zenit seines Leistungsvermögen stehen wird? Ach, Schmarrn. Wir sagen: Ganz recht, Herr Gottschalk. Sie stellen hier eine Frage, die in der momentanen Situation so nötig ist wie, sagen wir mal, ein Irak-Krieg. Schießen sie weiter scharf! Sie sind ein großer Journalist!
Eine vorausschauende Woche wünscht Ihnen
die pokalo-Redaktion

Ballacko Bizarro

Dienstag, September 4th, 2007

Die pokalo-Redaktion pflegt ein besonderes Verhältnis zum Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Die Legende will es, dass er sogar bei der Namensgebung zu unserem kleinen, feinen Fußball-Online-Magazin den Leistungsträger gab (siehe „pokalo goes RUND“), und auch in Geschichten wie „Der Kapitano und andere Kompromisse“ oder „Ballack ist die größte Flasche“ war der Michael der Hauptdarsteller. Umso größere Sorgen machen wir uns nun um seine derzeitige Situation beim englischen Vizemeister Chelsea London. Die haben zum 1.September ihren Kader für die Champions League gemeldet. Dort finden sich nicht nur alteingesessene Weltstars wie Frank Lampard, Didier Drogba oder Claude Makelele wieder, sondern auch gut eingeschlagene Neuzugänge wie Claudio Pizarro. Und selbst so lustige, äh, illustre Nasen, äh, Namen wie Steve Sidwell oder Tal Ben Haim stehen auf der Liste. Nur der Größtverdiener im Team, der fehlt: Unser Ballacko! Einst hoch im Kurs bei Mourinho, scheint er nun - nach Schewtschenko in der vergangenen Saison - der neue Bauer im Machtschach des Trainers mit Roman Abramowitsch zu sein. Der Gipfel des Komplotts: Zwei der 25 Meldeplätze ließ Chelsea gar gänzlich unbesetzt. Lieber zwei Spieler weniger als einen Michael Ballack - deutlicher könnte man eine Aufforderung zum Vereinswechsel kaum formulieren. Und tatsächlich: Im Winter würden sich ganz sicher einige Topklubs die Finger nach einem Ballack ohne Europapokaleinsatz lecken.
Allerdings hätten die Chelsea-Oberen ihrer Nummer 13 auch ein paar Tage früher stecken können, dass sie nur noch bedingt erwünscht ist. Real Madrid hatte schließlich schon angeklopft.
Man wird das Gefühl einfach nicht los, dass es die eigene Vorstellungskraft übersteigt, wie viel dubiose Politik, mit welcher der Deutsche theoretisch überhaupt nichts zu tun hat, hinter den Londoner Kulissen betrieben wird. Eine bizarre Situation für den derzeit noch angeschlagenen Ballack, der in der Themsenmetropole immer offensichtlicher am Scheideweg seiner Karriere steht. Sogar im neuen Hype-Kader des FC Bayern wäre inzwischen mal wieder kein Platz mehr für ihn…
Autor: Tim Sohr