Ballacko Bizarro
Die pokalo-Redaktion pflegt ein besonderes Verhältnis zum Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Die Legende will es, dass er sogar bei der Namensgebung zu unserem kleinen, feinen Fußball-Online-Magazin den Leistungsträger gab (siehe „pokalo goes RUND“), und auch in Geschichten wie „Der Kapitano und andere Kompromisse“ oder „Ballack ist die größte Flasche“ war der Michael der Hauptdarsteller. Umso größere Sorgen machen wir uns nun um seine derzeitige Situation beim englischen Vizemeister Chelsea London. Die haben zum 1.September ihren Kader für die Champions League gemeldet. Dort finden sich nicht nur alteingesessene Weltstars wie Frank Lampard, Didier Drogba oder Claude Makelele wieder, sondern auch gut eingeschlagene Neuzugänge wie Claudio Pizarro. Und selbst so lustige, äh, illustre Nasen, äh, Namen wie Steve Sidwell oder Tal Ben Haim stehen auf der Liste. Nur der Größtverdiener im Team, der fehlt: Unser Ballacko! Einst hoch im Kurs bei Mourinho, scheint er nun - nach Schewtschenko in der vergangenen Saison - der neue Bauer im Machtschach des Trainers mit Roman Abramowitsch zu sein. Der Gipfel des Komplotts: Zwei der 25 Meldeplätze ließ Chelsea gar gänzlich unbesetzt. Lieber zwei Spieler weniger als einen Michael Ballack - deutlicher könnte man eine Aufforderung zum Vereinswechsel kaum formulieren. Und tatsächlich: Im Winter würden sich ganz sicher einige Topklubs die Finger nach einem Ballack ohne Europapokaleinsatz lecken.
Allerdings hätten die Chelsea-Oberen ihrer Nummer 13 auch ein paar Tage früher stecken können, dass sie nur noch bedingt erwünscht ist. Real Madrid hatte schließlich schon angeklopft.
Man wird das Gefühl einfach nicht los, dass es die eigene Vorstellungskraft übersteigt, wie viel dubiose Politik, mit welcher der Deutsche theoretisch überhaupt nichts zu tun hat, hinter den Londoner Kulissen betrieben wird. Eine bizarre Situation für den derzeit noch angeschlagenen Ballack, der in der Themsenmetropole immer offensichtlicher am Scheideweg seiner Karriere steht. Sogar im neuen Hype-Kader des FC Bayern wäre inzwischen mal wieder kein Platz mehr für ihn…
Autor: Tim Sohr