Spieltag 25- Clownsligen gibt´s woanders
Montag, März 12th, 2007
Alan Durban, Ex-Stoke-City-Coach, reagierte einst auf harsche mediale Kritik an der destruktiven, unspektakulären Spielweise seiner Mannschaft mit den legendären Worten: „ Wenn ihr Unterhaltung wollt, geht in den Zirkus und guckt euch Clowns an.“ Gleiches hätte an Spieltag 25 auch von Armin Veh, Mirko Slomka oder Jürgen Röber kommen können. Glänzte Spieltag 24 noch mit Spaßfußball, Direktspiel und einer wahren Torflut, machten die 18 Klubs an diesem Wochenende doch eher durch behäbiges, ungenaues und umständliches Herumgestolper von sich reden. Blasse Unentschieden, trostlose Nullnummern und glanzlose Siege standen symptomatisch für Runde 25 der Meistersachafts-Abstiegs-Kämpfe. Und so bemerkte auch Halil Altintop:“ So viele Fehlpässe wie heute habe ich lange nicht mehr gesehen.“ Innerhalb eines Spieltages wandelte sich die Liga einmal mehr vom Epizentrum bundesweiten Ballspektakels zur groß gehypten, fußball-versprechenden Mogelpackung. Die einzig zuverlässige Konstante der Bundesliga scheint Inkonstanz: Schalke dominiert die Liga über Monate, zog bis auf zwölf Punkte davon, um auf der Schlussgeraden einzuknicken. Bayern München war längst abgeschrieben, wähnte sich fast von Nürnberg eingeholt, ehe sie zum Gegenschlag ausholten, um sich im Endspurt aussichtsreich zu positionieren. Bielefeld spielte sich vor der Winterpause in UEFA-Cup-Regionen, um sich jetzt nach nicht enden wollender Talfahrt auf Abstiegsplatz 17 wiederzufinden.
Und so passt die Zusammenfassung von Spieltag 25 in die wechselhaften Saisonleistungen der Vereine: Anstelle des fußballerrischen Feuerwerks der vorangegangenen Woche, überboten sich die Klubs dieses Mal in statisch-draufholzender Fußballdiletanz. Als hätten die Spieler jene Studien bestätigen wollen, die der Bundesliga gegenüber den Topligen mehr Ballkontakte pro Spielzug und eine höhere Fehlpassquote nachsagen. Dortmund etwa ließ keinen Zweifel daran, dass ihnen jegliche Kunstfertigkeit im Umgang mit dem Ball irgendwo zwischen Nevio Scala und Jürgen Röber abhanden gekommen ist. Mit einer Abwehr, die ihres Namens nicht würdig war; einem Mittelfeld, dessen Taktik scheinbar abgefälschte anstatt Direktpässe vorsah und einem Sturm, dessen Harmlosigkeit sogar Namen wie Tanko oder Booth in den Schatten stellt, schaffte die Borussia ihre sechste Niederlage im achten Rückrundenspiel. Dazu Roman Weidenfeller: „Wir müssen schauen, dass wir die Sache vielleicht jetzt anpacken.“ Richtig: Wenn sich eine Mannschaft einen Punkt vor Liga 2 befindet, sollte sie vielleicht schauen, dass sie die Sache anpackt. Aber vorher sollte noch mal darüber gesprochen werden. Denn eventuell macht es ja auch Sinn, erst anzupacken, wenn man richtig tief drin steckt im Abstiegskampf. Schließlich hat die andere Borussia aus Mönchengladbach nicht viel länger gewartet. Aber nach dem 3:1 gegen strauchelnde Berliner besteht auch wieder bei den totgesagten Gladbachern ein dezentes Fünkchen Hoffnung.
Weniger desolat als in den anderen Spielen ging es München zu. Mit Torchancen für die nächsten drei Spiele zusammen wirbelte Bayern die Bremer an die Wand. Doch Bremens über Frings vorgetragener Konter saß: Endstand 1:1. In Spanien endete das Spitzenspiel zwischen Barcelona und Madrid mit 3:3. Clownsligen gibt´s eben woanders – zumindest, was diesen Spieltag angeht.
Autor: Daniel Wehner
Bereits zehn Spieltage vor Saisonfrist kommt es im Kampf um Meisterschaft, UEFA-Cup und Klassenerhalt zum offenen Schlagabtausch. Kein Taktieren, Ergebnishalten und schon gar kein Minimalismus. Am 24. Spieltag endete keine Partie mit einer Punkteteilung. Im dichten Tabellengewirr spielten sämtliche 18 Bundesligaklubs auf Sieg – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Denn die eigene Tabellenposition durch Unentschieden zu festigen, ging in der Vergangenheit selten gut, nach Einführung der Drei-Punkte-Regel noch seltener, und in dieser Saison ist es nahezu vollends vergeblich. Zwischen Platz 9 und Platz 16 liegen zwei Punkte, womit sogar Dortmund akut abstiegsbedroht ist. Um Platz fünf duellieren sich Nürnberg, Berlin, Leverkusen und Hannover. Und an der Spitze ist mit dem Wiedereinstieg der Bayern ins Meisterschaftsrennen ein spannungsgeladener Vierkampf entstanden, der gleich kommende Woche mit seinem vorläufigen Höhepunkt aufwartet (Bayern München – Werder Bremen). Ergo kann sich keiner der 18 Bundesligisten einen Punktverlust leisten, nicht einmal das viel zitierte Niemandsland der Liga. Denn die Grauzone im Mittelfeld der Tabelle, in der weder nach unten noch nach oben Positionsverschiebungen realistisch scheinen, und die Vorbereitung auf die nächste Spielzeit Priorität besitzt, ist dieses Jahr nicht existent. So steht für jeden einzelnen Klub im Oberhaus der deutschen Fußballliga viel auf dem Spiel. Schalke 04 etwa schwächelt mit nunmehr drei Spielen ohne Sieg und läuft Gefahr, die erste Meisterschaft seit 1958 zu verspielen. Der HSV dagegen hat sich mit vier Siegen in Folge aus der Krise gespielt, verbucht er doch mit 14 Rückrundenzählern bereits einen mehr als in der gesamten Hinrunde. Auch der FC Bayern scheint sich gefangen zu haben. Angesichts der schnöden Perspektive, künftig im „Cup der Verlierer“ gegen Malmö FF oder den SV Mattersburg zu spielen, könnte einer der Gründe für den neuen Elan im Bayern-Spiel sein. Ein weitaus greifbareres Argument: Lukas Podolski. Mit drei Scorer Punkten (zwei Vorlagen und ein Tor) avancierte er zum Matchwinner. Dabei führt er seine wiedergewonnene Form aus Zeiten des Sommermärchens auf das Vertrauen von Ottmar Hitzfeld zurück: „Nach dem ersten Spiel habe ich dem Trainer gesagt, dass ich ein paar Spiele brauche. Ich denke, dass ich ihm das Vertrauen zurückgezahlt habe.“
Nelson Valdez ist am Tiefpunkt angelangt. Seiner bisherigen Saisongesamtausbeute von null (0!!!) Toren fügte er bei der Dortmunder 2:4-Pleite in Hannover eine in ihrer peinlichen Überflüssigkeit schwer zu übertreffende Gelb-Rote Karte hinzu. Der Stürmer, in dessen Verpflichtung die Vereinsoberen des ständig strauchelnden Ruhrpott-Riesen so große Hoffnung gesetzt hatten, befindet sich in einer offensichtlich unaufhaltsamen Abwärtsspirale. Wirkte es zu seinen Bremer Zeiten hinter Klose und Klasnic noch so, als könne sich Valdez in jeder anderen Mannschaft der Liga einen Stammplatz erkämpfen, legt der paraguayische Nationalstürmer inzwischen eine beinahe selbstzerstörerische Verzweiflung an den Tag.